Uneinsichtig, Abgeblitzter Markwort, Frankreichs Facebook-Frauenhasser

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1. „Erzähltes muss natürlich stimmen“
(taz.de, Markus Kowalski)
Michael Haller leitet das Europäische Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung (EIJK) und ist der Verfasser mehrerer Standardwerke des Journalismus, darunter auch der Lehrbuchklassiker „Die Reportage“. (Siehe dazu auch Stefan Niggemeiers wichtigen Text auf „Übermedien“: Die Reportage: Manipulationen nach Lehrbuch) Die „taz“ hat mit Haller anlässlich des Falls Relotius (bzw. des Falls „Spiegel“) über das Reportageformat gesprochen. Was ist zulässig, was nicht? Haller versteht angeblich gut, „wenn man hier heute strenger denkt“. Angeblich, weil es an anderer Stelle des Interviews scheint, als ob diese Einsicht nicht vollständig bei ihm angekommen ist: „Und ich vermute, manche Redaktion wird jetzt ihren Reportern ganz pingelig vorschreiben: Wenn der Satz nicht in dieser Situation von dieser Person so gesagt wurde, musst du ihn weglassen.“

2. Wie Fake News und alternative Medien die Unabhängigkeit der Branche bedrohen
(ard-wien.de, Vera Gasber, Video: 4:30 Minuten)
Das ARD-Studio Wien hat mit der Autorin Ingrid Brodnig (u.a. „Hass im Netz“) über die zunehmende Wut bestimmter Personengruppen auf JournalistInnen gesprochen und wie man ihr begegnen kann: „Wie eine Gesellschaft mit ihren Journalisten umgeht, ist ein guter Gradmesser, wie gesund eine Gesellschaft ist. Und ich würde sagen in den letzten Jahren ist es schlechter geworden.“

3. Lokaljournalismus mit Herz und Relevanz
(journalist-magazin.de, Hannah Suppa)
Im Medienmagazin „journalist“ kommt Hannah Suppa zu Wort, Chefredakteurin der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ), der größten Tageszeitung in Brandenburg. Suppa hat sieben lesens- und bedenkenswerte Thesen für den Lokaljournalismus der Zukunft entwickelt, die das Digitale nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sieht: „Nicht das Digitale ist schuld an der Erosion des Geschäftsmodells. Im Gegenteil: Es serviert uns die Lösung auf dem Silbertablett. Digitales Denken führt uns im Journalismus näher zum Leser zurück – und gibt uns die Chance, mit ihm noch einmal neu zu starten.“
Lesetipp am Rande: Was im Lokaljournalismus schief gehen kann, zeigt Fastnachtsfiasko in der MAZ – Ein offener Brief (stuecken.de)

4. BR-Rundfunkrat lehnt Helmut Markwort ab
(t-online.de)
Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks hat den ehemaligen Focus-Chef und jetzigen FDP-Abgeordneten Helmut Markwort wegen möglicher Interessenkonflikte abgelehnt. Grund seien Markworts Beteiligungen und geschäftlichen Aktivitäten bei privaten Radiosendern. Markworts Polterantwort: „Der Bayerische Rundfunk will sich seine Kontrolleure selbst aussuchen“.

5. Das Sterben der Netzsendungen
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Dennis Horn beklagt das Sterben der Netzsendungen. In letzter Zeit hat es bekannte Formate wie „Trackback“ und das „Chaosradio“ (beide Radio Fritz/rbb) erwischt, zu früheren Zeiten Sendungen wie den „WDR Computerclub“, das 3sat-Magazin „neues“ oder den “Elektrischen Reporter” bei ZDFinfo. Horn kommentiert: „Ich halte das für ein Problem: Mit diesen Sendungen und Formaten stirbt auch die Tiefe, die digitale Themen brauchen. Schließlich hat die digitale Welt weitreichende Folgen für unseren Alltag, für Gesellschaft, Politik und Recht. Es geht um Themen, die uns alle betreffen und die übrigens immer wieder zu denen gehören, die vom Publikum am erregtesten diskutiert werden. Netzthemen sind keine Nerdthemen.“

6. „Ligue du LOL“ – Facebook-Club für Frauenhass
(spiegel.de, Sonja Peteranderl)
Ein erschütternder Fall von Onlinemobbing hat sich in Frankreich ereignet. Dort haben sich Männer in einer Facebook-Gruppe zusammengerottet und digitale Attacken vor allem gegen Frauen koordiniert. Zu den organisierten Frauenbelästigern gehörten u.a. Journalisten, Werber, Grafikdesigner und Informatiker.

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