In Russland wird über zivile Version des Überschallbombers Tu-160 nachgedacht

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Der russische Präsident Waldimir Putin hat während eines Treffens in Kasan, der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan, die Flugzeugbauer für die Entwicklung und Fertigstellung des Überschall-Kampfraketenträgers Tu-160 gelobt. Nun müsse Russland „zum Überschall-Passagierverkehr zurückkehren“, sagte Putin.

Das Zentrale Aerohydrodynamische Institut „Schukowski“ und andere Forschungseinrichtungen arbeiten bereits am Bau eines Basismodells des Flugzeuges. Die Entwicklungs- und Baukosten betragen schätzungsweise 1,37 Milliarden Rubel (etwa 18,5 Millionen Euro) im Jahr. Wie der Minister für Industrie und Handel, Denis Manturow, Ende Januar mitgeteilt hatte, wird der Bau des Basismodells bis zum Jahr 2022 abgeschlossen sein. In den Jahren 2030-2031 rechnen die Konstrukteure mit den ersten Linienflügen. Der Treibstoff wird auf Basis von flüssigem Wasserstoff entwickelt. 

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Ende Januar 2018, als Wladimir Putin einen Testflug eines modifizierten Modells des Langstrecken-Überschallbombers Tu-160M beobachtete, schlug er vor, eine Zivilversion des Überschallbombers zu entwickeln. Es können Passagiere und Gepäck befördert werden, wo derzeit Bomben und Raketen transportiert werden, so Putin. 

Wladimir Putin besiegelt das Ende des Testphase und Beginn der Vertragsproduktion des modernisierten Überschallbombenträgers Tu-160M im Tupolew-Werk in Kasan am 25, Januar 2018.

Er erinnerte an den sowjetischen zivilen Überschallflieger Tu-144, der in den 1970er Jahren das Rennen um das erste Überschallverkehrsflugzeug vor der französischen Concorde machte. Nach 103 Flügen und der Beförderung von insgesamt über 3.000 Passagieren musste der Betrieb eingestellt werden. Es wurden damals insgesamt 14 Maschinen gebaut.

Als Ursache für die Stilllegung des Projektes nannte Putin seine Unwirtschaftlichkeit. Die Preise standen nicht mit dem durchschnittlichen Lohn im Verhältnis. Nun gebe es in so einem großen Land große Unternehmen, die den zivilen Überschallflieger nutzen könnten, so Putin.

​Die Tu-160 ist das weltweit größte Schwenkflügel-Überschallflugzeug und eine der leistungsstärksten Kampfmaschinen. Im Jahr 2015 war die Produktion von Langstrecken-Bombern dieses Typs in den Flugzeugbauwerken Kasan wiederaufgenommen worden. Im November 2017 wurde mit Flugtests begonnen. Die Effektivität des Kampfjets konnte dank der Modernisierung um 60 Prozent erhöht werden.

Da das Projekt einer zivilen Variante des Kampffliegers erst in den Anfängen steht, gibt es derzeit in Expertenkreisen viele Spekulationen, ob der Umbau technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist. Einerseits gibt es Präzedenzfälle in der Vergangenheit, als Militärflugzeuge die Grundlage für spätere Zivilversionen bildeten, gerade in der Geschichte der russischen Luftfahrt. So baute zwischen 1958 und 1963 Tu-114 Rossiya Passagierflieger für bis zu 220 Passagiere auf dem Bombermodell Tupolew Tu-95 auf. Auch das Jet-Passagiermodell Tu-104 basierte auf einer Bombervorlage.

Die Kritiker weisen ihrerseits auf die Schwierigkeit für ein Überschallflugzeug hin, über Langstrecken zu fliegen. Laut die Welt bestehen nach Meinung der Experten für einen russischen Überschallpassagierflieger auf Basis des Langstreckenbombers Tu-160 kaum Chancen für eine Realisierung.

Russische Medien berichteten bereits im vergangenen Herbst von den Überlegungen bei Tupolew, ein Zivilmodell des Langstreckenbombers zu bauen. Nach Angaben von Waleri Solozobow, dem stellvertretenden Generaldirektor für Design, Forschung und Entwicklung bei Tupolew, soll beispielsweise der Lärmpegel gesenkt werden. Der Überschalljet könnte dann etwa 30 Passagiere bei einer Geschwindigkeit von Mach 1,4 bis Mach 1,8 transportieren.

Sollte dies gelingen, würde Russland den ersten zivilen Überschalljet nach der Stilllegung des einst prestigeträchtigen britisch-französischen Projekts Concorde bauen. Die Concorde-Flugzeuge flogen zwischen 1996 und 2003 vor allem die Linienflüge in Höhe von 18.000 Metern über dem Atlantik und waren mindestens doppel so schnell wie konventionelle Flugzeuge. Der Concorde-Absturz in Mai 2000 bei einem Start in Paris mit 113 Toten besiegelte das Ende eines wirtschaftlich unrentablen Projekts.

Neben Russland wollen auch die US-Amerikaner die zivile Überschallluftfahrt wieder aufleben lassen. So gab Boeing ein bedeutendes Investment in das US-Unternehmen Aerion bekannt, das einen Überschallgeschäftsreiseflieger (AS2) für zwölf Personen entwickelt. Dieser soll 2023 erstmals abheben und 1,4-fache Schallgeschwindigkeit fliegen.

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