Flughafen Zürich baut Beteiligungen in Brasilien aus

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Die Flughafen Zürich AG gewinnt die Konzession für den Betrieb von zwei Regionalflughäfen im Südosten Brasiliens.

Alexander Busch, Salvador

Die Flughafen Zürich AG ist in Brasilien seit 2014 präsent. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Die Flughafen Zürich AG hat die Konzession für den Betrieb von zwei regionalen Flughäfen in Brasilien gewonnen. Bei dem öffentlichen Bieterverfahren für drei Cluster von insgesamt zwölf Flughäfen sicherte sich Zürich die Airports von Vitória und Macaé im Südosten des Landes. Beide Flughäfen sind kürzlich renoviert worden, aber klar nicht ausgelastet.

Macaé liegt in der Nähe von Rio de Janeiro und wird seit 2015 nicht mehr per Linie angeflogen. Es handelt sich vor allem um ein Helikopterterminal für die off-shore-Plattformen von Petrobras vor der dortigen Küste. Vitória steht als Hauptstadt des Bundesstaates Espírito-Santo etwas im Schatten des nahen Rio de Janeiro. Bei einer Kapazität für jährlich etwa 8 Mio. Passagiere nutzen derzeit nur rund 3 Mio. den Airport.

Beim attraktivsten Flughafen-Cluster für den Nordosten Brasiliens kam der spanische Betreiber Aena zum Zug, nur knapp vor Zürich. Beim Bieterverfahren unter den drei ersten Konsortien gelangte Flughafen Zürich auf Platz 2. Damit fällt die Konzession automatisch an das Schweizer Unternehmen, sollte Aena aus formalen Gründen oder sonst wie ausscheiden. Die als Favoriten gehandelten Fraport und Vinci, die wie die Flughafen Zürich AG bereits in Brasilien Flughäfen betreiben, gingen dagegen leer aus.

Hohe Aufschläge

Mit einem Agio von rund 1000% fiel der Aufschlag auf die Minimumpreise überraschend hoch aus. Das liegt einerseits daran, dass der staatliche Flughafenbetreiber Infraero nicht mehr als obligatorischer Mitteilhaber der künftigen Konsortien vorgesehen war. Andererseits waren die vorgegebenen Mindestgebote niedrig angesetzt, um den Erfolg des Bieterverfahrens zu garantieren. Erstmals hatten die brasilianischen Behörden in die Cluster attraktive, gewinnbringende Flughäfen mit defizitären Provinzflughäfen kombiniert, um möglichst flächendeckende Investitionen ins Flugnetz des Landes von kontinentaler Grösse zu garantieren. Stefan Conrad, CEO von Zurich Airport Latin America, erklärt die hohen Aufschläge auch wegen der «vernünftigen Businesspläne». Flughafen Zürich AG geht die Verpflichtung ein, in den nächsten Jahren rund 80 Mio. Fr. in den Ausbau der Flughäfen zu investieren.

Nach der Unterzeichnung der Konzessionsvereinbarung, welche für das zweite Halbjahr 2019 erwartet wird, hält die Flughafen Zürich AG 100% an den beiden Flughäfen, um diese im Rahmen einer 30-jährigen Konzession zu betreiben. Im sechsten Jahr der Konzession fallen Abgaben an den Staat an, die abhängig sind von der Nutzung der Flughäfen. Nach Übernahme der Betriebsverantwortung, welche für Anfang 2020 erwartet wird, rechnet die Flughafen Zürich AG auf Konzernebene mit einem zusätzlichen Ebitda-Beitrag in hoher einstelliger Millionenhöhe. Attraktiv sei der Flughafen Vitória vor allem wegen der grossen Flächen, die kommerzialisiert werden könnten. In Macaé wird die Flughafen Zürich AG eine neue Piste bauen.

Portfolio weiter vergrössern

Laut Conrad passen die beiden Flughäfen gut ins bisherige Portfolio in Brasilien, wo die Flughafen Zürich AG seit 2014 präsent ist. Das Unternehmen werde auch die nächsten geplanten zwei Bieterrunden von insgesamt 22 Flughäfen bis Ende 2022 begleiten. Bis jetzt gehören der Flughafen Zürich AG in Brasilien eine Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des internationalen Flughafens Confins bei Belo Horizonte sowie 100% der Konzession des Flughafens Hercílio Luz in Florianópolis. Daneben betreibt das Unternehmen im restlichen Lateinamerika zwei Flughäfen in Chile und ist in Bogotá und Curaçao involviert.



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