Erstes deutsches LNG-Terminal soll bald stehen

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Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter Leitung von Peter Altmaier lud am 12. Februar zur ersten LNG-Konferenz in Deutschland. Nebst vielen Vertretern von Energieunternehmen, die das große Geld durch den Aufbau der benötigten Infrastruktur wittern, stand die Konferenz völlig im Schatten der USA. Vize-Energieminister Dan Brouillette saß an der Seite von Altmaier und wurde nicht müde zu betonen, dass die Amerikaner nur das Beste für Deutschland und Europa wollen und deshalb ihren Beitrag zur Energiestabilität leisten wollen. Man müsse „anerkennen“, dass die Abhängigkeit von russischem Gas für Europa „eine Bedrohung“ ist.

So weit wollte Peter Altmaier aber nicht gehen. Der Minister bestätigte, dass Deutschland in den vergangenen 40 Jahren keinerlei Probleme mit Russland als Gaslieferant hatte und dass Moskau selbst „im Kalten Krieg und während der Auflösung der Sowjetunion“ verlässlich Gas lieferte. Doch der steigende Bedarf an Gas, der durch die Energiewende noch befeuert wird, zwingt die Bundesregierung dazu, sich auch nach Alternativen zu den vorhandenen Energielieferanten umzusehen. Grundsätzlich ist Diversifikation eine gute Sache und dient der Stabilität und damit der nationalen Sicherheit.

Unklar hingegen ist, wie groß der Anteil von importiertem Flüssiggas aus den USA sein wird. Der Gast aus Washington hatte dazu schon konkretere Vorstellungen. Bisher exportieren die Vereinigten Staaten das Flüssiggas über drei LNG-Exportterminals, eine Zahl, die bis Ende 2019 verdoppelt werden soll. Bis 2025 wird der Anteil von Flüssiggas rund die Hälfte des globalen LNG-Exports ausmachen, und laut der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die USA innerhalb der nächsten sieben bis acht Jahre sogar zwei Drittel davon ausmachen. Ein Teil davon soll dann künftig auch nach Deutschland gehen, was bisher aufgrund fehlender Infrastruktur nicht möglich war.

Geht es nach Peter Altmaier, soll sich das bald ändern. Bis zu drei LNG-Terminals an den Standorten Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade sind im Gespräch.

Erstes deutsches LNG-Terminal soll bald stehen

Laut der Internationalen Energieagentur wird der Energiebedarf in Europa weiter steigen.

Natürlich war das Projekt Nord Stream 2 auch ein Thema der Konferenz. Brouillette zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen in Brüssel vergangene Woche, mahnte aber zur Vorsicht vor Russland aufgrund der Ukrainekrise. Deutschland steht zwar in dieser Frage vollkommen auf der Linie der USA und verlangt von Russland, auch nach Ablauf der langfristigen Transitverträge mit Kiew im nächsten Jahr weiterhin Gas in „substanzieller Höhe“ über die Ukraine in die EU zu liefern, aber an Nord Stream 2 werde nicht gerüttelt. Altmaier meinte: „Da sind wir sehr entspannt, weil wir glauben, dass wir das in Europa selbst lösen können.“

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Preis von Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten. Im Durchschnitt mussten europäische Abnehmer über sieben US-Dollar pro MBTU (britische Energieeinheit, entspricht 28,26 Kubikmeter Erdgas) bezahlen, während das Gas aus Russland durch die Pipeline zwischen 4,50 und 5,50 US-Dollar pro MBTU kostet. Vize-Energieminister Brouillette sagte dazu, dass Washington „im kommenden Jahrzehnt“ eine Reduzierung des LNG-Preises erwartet.

Diesen erhöhten Preis nimmt Deutschland aber offensichtlich in Kauf, um den Zorn der US-Regierung über die zweite Ostseepipeline aus dem Hause Gazprom zu besänftigen. Im vergangenen Jahr holte Präsident Donald Trump beim NATO-Gipfel in Brüssel zum Rundumschlag gegen Deutschland aus, als er behauptete, dass „Deutschland komplett von Russland kontrolliert wird“. Bundeswirtschaftsminister Altmaier bestätige aber auch, dass das Flüssiggas „für Handelsbeziehungen zu den USA wichtig“ sei und man alles dafür tue, um einen Handelskrieg zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vermeiden.

So war es denn auch Altmaier selbst, der den Import von US-Gas auf die politische Tagesordnung setzte. Bei der LNG-Konferenz in seinem Ministerium sagte er, dass er es gewesen sei, der in einem Gespräch mit dem langjährigen Rothschild-Banker und gegenwärtigen US-Handelsminister Wilbur Ross im März 2018 darum gebeten habe, sich für den Export von Flüssiggas nach Deutschland einzusetzen.

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