Das Glücksspiel der Reichen mit dem Finanzamt

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Es ist ja nicht so, dass fortwährend nur das Finanzamt Bürger und Unternehmen schröpfte. Nein, das geht zuweilen auch mal andersherum. Schließlich ist das Finanzamt die größte Geldsammelstelle in der Republik und somit zwangsläufig Objekt der Begierde. Es ist scheinbar ein überaus lohnendes Ziel für Leute mit besonders viel Geld, die den Hals überhaupt nicht vollkriegen können. Wer also die Schleichwege kennt, rechtliche Bestimmungen und Regelungslücken mit einem großen juristischen Stab ausfindig machen kann, der ist klar im Vorteil bei dieser Form des „Geldrecycling“

Das beliebteste Spiel der Schönen & Reichen mit dem Finanzamt hieß cum-ex. Es war überaus legal und für das Finanzamt stets sehr teuer, mit „absoluter Verlustgarantie“ für Staat und Steuerzahler. Es ist ein wenig „tricky“, aber wenn es keiner bemerken will, dann wird das Spiel einfach immer weitergespielt, denn so richtig illegal war es auch wieder nicht.

Glücksspiel geht eigentlich anders

Gottlob gab es ja noch die Lohnsteuerzahler und kleineren Steuerpflichtigen, die den Schaden immer wieder gerne mitbezahlten, weil es der Gesetzgeber versäumte die Spielregeln für diese Art der „Finanzamtsausbeutung“ im Sinne des schwächeren Teils der Gesellschaft neu zu regeln. Spötter behaupten gar, dass eine Neuregelung gar nicht gewollt war und das Spiel deshalb so lange so prächtig funktionierte.

Naja, eigentlich war das ja auch gar kein Spiel mehr mit dem Geld. Offensichtlich war es die wohldurchdachte und minutiös geplante Ausnutzung einer rechtlichen Regelungslücke. Seltsamerweise sind echte Casinos, mit echtem Spielbetrieb, diesbezüglich weit mehr auf Draht: Durch Informationsaustausch mit anderen Spielern oder gar durch gefälschte Chips versuchen Leute im Casino zu betrügen. Da sind die Riegel ganz schnell vorgeschoben. Ob es womöglich daran liegt, dass die Casino-Betreiber ihre Kröten aus purem Eigeninteresse erheblich besser zusammenhalten als so ein selbstvergessener Staatsapparat? Die Methoden, seinen persönlichen Vorteil zu suchen, scheinen sich in Teilen zu gleichen.

Vielleicht vertritt unsere Regierung gar nicht so richtig unsere Interessen, sondern doch mehr, wie man gerüchteweise immer wieder hört, die harten „Lobby-Interessen“? Hat man das erstmal begriffen, wird einem echtes Glücksspiel gleich um einiges sympathischer, denn da scheint es erheblich sauberer zuzugehen, als beim Finanzamt, wenn man es dort mit total verunglückten Spielregeln zu tun hat.

Dem Dealer in die Karten schauen

Damit haben wir auch schon das hier vorliegende Grundprinzip aufgedeckt, auf welche Art die Finanzamts-Bank relativ leicht zu sprengen war. Und siehe da, dieses wenig feine Spiel wurde sogar europaweit gespielt, mit bis dahin fest garantiertes Gewinnen. Das ganze liest sich einfach abenteuerlich: Cum-Ex • Der Coup des
Jahrhunderts • Ein europäischer Raubzug
. Die Tatsache, dass es grenzübergreifend gespielt wurde, machte es den Behörden um einiges schwerer, hierfür den passenden Riegel zu finden, sofern denn der Wille dazu überhaupt vorhanden war.

Die detaillierte „Kenntnis der Spielregel“ als auch ein vergessenes Schlupfloch, gepaart mit der passenden kriminellen Energie, machten dann diesen Mega-Coup erst möglich. Vom Beginn des Skandals, bis zu seiner endgültigen Beendigung, brauchte es dann rund 16 Jahre. Das ist in jeder Hinsicht rekordverdächtig, wenn es nicht sogar den absoluten „Unwillen“ zur Regelung des Sachverhaltes erkennen lässt.

Der Schaden und die Folgen

Mithin hat es erheblich zu lange gedauert, bis von offizieller Seite diese Möglichkeit, das Finanzamt auszunehmen, abgeschafft wurde. Über den Schaden gibt es offiziell nur widerwillig Auskunft. Inzwischen kommen dennoch einige Zahlen ans Licht: Schaden durch „Cum-Ex“ bei 55 Milliarden Euro. Das sind stolze Beträge, die die EU-Staaten für diesen Spaß auf die Konten der „Könner“ überwiesen. Deutschland nimmt auch hier, mit knapp 32 Mrd. Euro Schaden, einmal mehr die Pole-Position ein.

Der gesamte Ablauf dieser Aktion ist kein Ruhmesblatt für die europäischen Gesetzgeber. Ein Haufen bohrender Fragen bleibt im Raume stehen. Insbesondere, warum dieses Spiel so lange gespielt werden konnte. Folgt man der eignen Intuition, dann können da nur Insider am Werk gewesen sein, die es ebenso gut vermochten auch den Gesetzgeber zu lähmen, bzw. über langen Zeitraum einfach inaktiv zu halten. Aber wer will das heute wirklich noch wissen. Wenn Wahrheit zu sehr wehtut, lassen wir sie besser gleich ganz aus.


Bildnachweise:
Geldkoffer: https://pixabay.com/en/money-dollars-success-business-1428594/
Spielszene: https://pixabay.com/en/casino-poker-playing-studio-bet-1107736/
Münzstapel: https://pixabay.com/en/money-money-tower-coins-euro-2180330/



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