Mit Fintech und Techfin die Welt verbessern

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Manfred Rist, Nusa Dua

Ob Bankkonto oder elektronischer Zahlungsverkehr, mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung – rund 1,7 Mrd. Menschen – hat laut der Weltbank immer noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Abhilfe soll unter dem Schlagwort «Financial Inclusion» in den kommenden Jahren mit flächendeckendem Internet und erschwinglichen Smartphones geschaffen werden. Politiker und Ökonomen an der Herbsttagung des Internationalem Währungsfonds (IMF) und der Weltbank in Bali sehen darin einen Beitrag zur Reduktion der Armut. Gerade das Gastgeberland Indonesien, wo sich Staatspräsident Joko Widodo persönlich zu den Fintech-Plänen äusserte, verspricht sich viel davon.

Was es zur besseren wirtschaftlichen Einbindung der Ärmsten mittels technologischer Neuerungen alles braucht, ist noch nicht abschätzbar. Auch der regulatorische Rahmen ist erst ansatzweise erkennbar. Aber selbst für die IMF-Präsidentin Christine Lagarde, die eigentlich mit brennenden Fragen zu Handelskonflikt, Finanzstabilität und Konjunktur beschäftigt war, ist klar, dass mit Fintech ein Beitrag zur Überwindung von Ungleichheit und Ausgrenzung geleistet werden kann. Zu den Herausforderungen gehört die Interessenabwägung zwischen wirtschaftlich-sozialen Aspekten und der Forderung nach Schutz der Konsumenten und Stabilität des Finanzsystems.

Laut der indonesischen Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati führt Fintech zu einer Verwischung der Grenzen zwischen Finanz- und Technologiefirmen. Dabei geraten die etablierten Finanzdienstleister nicht nur durch agilere Startups unter Druck. Neuerdings sind auch die grossen Internet-Technologieunternehmen in finanznahen Bereichen aktiv, als Techfins. Zuoberst stehen hier Giganten aus China wie Baidu, Tencent und Alibaba. Deren Ausstrahlungskraft zeigte der Alibaba-Gründer Jack Ma, der in Bali den grössten Konferenzsaal füllte. Dass diese technologiegetriebenen Riesen zunehmend Zahlungs- und Finanzlösungen anbieten und so ihren Teil am Zahlungs- und Konsumkreditmarkt reklamieren, steht fest. Auch Google, Amazon und Facebook werden vermutlich auf dieses Terrain vorstossen.

Die «Bali Fintech Agenda» skizziert nun Leitlinien für Fintech: 1. Fintech soll in allen Ländern gefördert werden. 2. Man plädiert für eine Infrastruktur, die Neuanbietern den Marktzugang ermöglicht. 3. Es sollen auch Kreise profitieren, die sonst kaum Zugang zu Banken haben. 4. Der Rechtsrahmen soll transparent bleiben. 5. Die Integrität der nationalen Geld- und Finanzsysteme darf nicht unterlaufen werden. 6. Länder werden zu internationaler Kooperation und zu Informationsaustausch aufgefordert. 7. Im Rahmen des IMF sollen die Fintech-Anwendungen überwacht werden.



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