Die widersprüchliche Logik internationaler Interventionen

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Christian von Soest

Die widersprüchliche Logik internationaler Interventionen


GIGA Focus |
Global |
Nummer 04 |



Oktober 2018


| ISSN 1862-3581

In der sich rapide entwickelnden multipolaren Weltordnung interveniert eine bislang ungekannte Zahl von Staaten, internationalen Organisationen, Interessengruppen und weiteren Akteuren immer häufiger, um Demokratie, Frieden und Sicherheit zu stärken. Die politischen und normativen Bewertungen dieser externen Interventionen sind äußerst umstritten.

  • Der Begriff der „Intervention“ wird im Bereich der internationalen Förderung von Demokratie, Frieden und Sicherheit oft negativ bewertet. Die Hauptgründe dafür sind, dass Kritiker den Begriff oftmals mit Militäroperationen gleichsetzen, dass sie die Legitimität externer Interventionen grundsätzlich anzweifeln, dass die Trennlinie zwischen „außen“ und „innen“ zunehmend verwischt und dass sich die vorherrschende Perspektive auf westliche Akteure konzentriert. Jedoch lässt ein enges, auf Militärmissionen bezogenes Verständnis die Vielfalt von Interventionen mit geringerem Zwang außer Acht.
  • Die Unterscheidung verschiedener Interventionsformen, Ziele und Kontexte ist eine grundlegende Voraussetzung für die angemessene Analyse und Anwendung von internationalen Interventionen. Die wichtigsten Dimensionen sind die beteiligten Akteure, die Art der Intervention (die Ausübung von militärischem Zwang im Vergleich zu friedlichen Mitteln) und die Ziele, die mit der Intervention erreicht werden sollen, zum Beispiel das zugrunde liegende Konzept von Frieden.
  • Aktuelle Trends in der internationalen Politik bestehen in der zunehmenden Anzahl von Akteuren, der Erosion vorherrschender Normen, der Krise des Multilateralismus und dem Rückgang der Demokratieförderung gegenüber Aktivitäten zur Steigerung der internationalen Sicherheit.
  • Aufgrund der Komplexität internationaler Interventionen kann die Analyse ihrer Effekte frustrierend sein. Deshalb ist es ist wichtig, das Umfeld einzelner Interventionen richtig zu erfassen und ähnliche Interventionsarten zu bündeln. Die Friedenssicherung der Vereinten Nationen („peacekeeping“) hat gemeinsam mit weiteren Faktoren zum Beispiel oft zur Beendigung von schweren Gewaltkonflikten beigetragen.



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