Griechenland, Chios: Lokale Schulleiter verteidigen das Recht der Flüchtlingskinder auf Bildung

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Eine Gruppe von 1130 Eltern auf der Insel Chios (Ostägäis) hat vor einigen Tagen beschlossen, den Leitern von 5 Grundschulen der Insel ein Schreiben zu übersenden. Die Schulleiter sollten eingeschüchtert und dazu gebracht werden Flüchtlingskinder nicht in ihre Schulen aufzunehmen. Zwei der Schulleiter reagierten darauf mit der Veröffentlichung einer umfangreichen Erklärung.

Als erstes teilten sie mit, dass sie nicht gegen Anordnungen des Ministeriums verstoßen können. Es sei aber vor allem eine Frage des Gewissens, die ihnen keinesfalls erlaube Schüler von der öffentlichen Bildung auszuschließen. Sie verurteilen die barbarische Politik der EU gegen Flüchtlinge und die angezettelten Kriege, die als Hauptursache für die Flüchtlingsströme verantwortlich sind. Wir geben einige Teile der offenen Briefe wieder, die vor einigen Tagen auf der griechischen Seite von Pressenza veröffentlicht wurden.


Auszug aus dem offenen Schreiben von Herrn Skoufalos, Schulleiter:

„Ich halte es für wichtig, als Mensch zu erklären, dass ich mich von Anfang an für die Schließung des Hotspots von BIAL und für die Weiterreise der Flüchtlinge von der Insel auf das Festland einsetze, ihre Rechte und insbesondere ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben respektiere, was ihnen durch die Abkommen von EU, NATO und Türkei verweigert wird, Themen, worüber sie (Anmerkung: er wendet sich an die 1130 Eltern) nichts sagen.

Von Anfang an wurde die Frage der Aufnahme von Flüchtlingskindern in unserer Schule angesprochen. Ich selbst und auch der Vorstand der Lehrer haben beschlossen, die Kinder zu unterstützen, die Opfer der Kriege des Imperialismus sind (im militärischen oder wirtschaftlichen Kontext).

Unsere Entscheidung beruht nicht nur auf unserem Beamtenstatus, der uns verpflichtet, dem rechtlichen Rahmen zu gehorchen, der die staatlichen Entscheidungen regelt, ungeachtet seiner Inkohärenz oder seiner Politik, sondern vor allem auf unserem Gewissen, unseren Werten und unseren Prinzipien als Lehrer, den Zielen, die eine Schule haben muss, ob schriftlich oder ungeschrieben, um das Grundrecht zu gewährleisten, dass Kinder unabhängig von Rasse, Hautfarbe und Nationalität Bildung erhalten.“

Auszug aus dem offenen Schreiben von Frau Kott, Schulleiterin:

„Auf keinen Fall, ihr 1130 Eltern, die dieses Schreiben unterzeichnet habt! Ihr könnt uns keine Angst einjagen! Wir haben keine Angst vor euch! Wir weigern uns, an euren rassistischen oder fremdenfeindlichen Spielen teilzunehmen! Wir werden nicht den Einschüchterungen oder euren Vorwahl-Spielchen erliegen!

Ja, ihr 1130 Eltern, die dieses Schreiben unterzeichnet habt, wir lebten und leben die Folgen der Flüchtlingsströme, wir verstehen alles, was die lokale Bevölkerung im Suda oder in Chalkios erlitten hat. Wir verstehen die Last, die die Insel Chios und alle ostägäischen Inseln tragen. Aber anstatt unschuldige Seelen ins Visier zu nehmen, verwendet eure Zeit und Energie in einer positiven Richtung. Sammelt nicht nur 1130 Unterschriften, sondern Tausende mehr, um „die Weltindustrie der Schaffung von Flüchtlingen zu stoppen“!

Ja, ihr 1130 Eltern, die dieses Schreiben unterzeichnet habt, wir hatten und werden immer offen Arme haben und die Möglichkeit euren Kindern in die Augen zu schauen! Wenn die Zeit kommt, in dem euren Kindern eure Taten verstehen, werdet ihr ihnen dann in die Augen schauen können?“

Ja, ihr 1130 Eltern, die die außergerichtlichen Dokumente unterzeichnet habt, wir haben und werden immer offenen Arme haben, und die Möglichkeit euren Kindern direkt in die Augen zu schauen! Wenn eure Kinder eure Taten verstehen, werdet ihr ihnen dann direkt in die Augen sehen können?“

Übersetzung aus dem Englischen von Monica Levin





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