20 Minuten – Die fehlerhaftesten Automarken des Jahres

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Rückrufe von grossen Autoherstellern sind in letzter Zeit in etwa so häufig wie Parkbussen in Zürich. Erst gestern musste BMW wegen Problemen mit dem Steuerrad respektive dem Airbag eines japanischen Zulieferers fast eine halbe Million Autos zurückrufen. Ende Januar war es am schwedischen Hersteller Volvo, der weltweit über 200 000 Autos wegen Problemen bei der Kraftstoffzufuhr noch einmal überprüfen lässt.

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Tatsächlich waren die vergangenen 12 Monate zumindest in Deutschland sogar ein Rekordjahr in Sachen Fahrzeugrückrufe. Über 500 sicherheitsrelevante Aktionen bedeuten einen neuen Höchstwert. Die Gründe: Kosten- und Zeitdruck führen zu Fehlern; dazu machen den Herstellern komplexe Baukastensysteme in der Produktion sowie häufige Diversifikation der Produktportfolios zu schaffen.

Mercedes führt Ranking an

Schaut man sich die kürzlich publizierte Markenverteilung bei den Rückrufaktionen für das Jahr 2018 in Europa genauer an, ergibt sich ein überraschendes Bild, denn an der Spitze liegt nicht etwa ein vermeintlich chaotischer Italiener oder gar eine exotische fernöstliche Automarke, sondern ein deutscher Premium-Anbieter. Mercedes-Benz hat 2018 allein für 36 Rückrufaktionen bei 17 verschiedenen Modellen gesorgt, darunter A-, B-, C- und E-Klasse. Eine der Hauptursachen: unzulässige Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung. Bei der C-Klasse gab es dagegen Probleme mit Kabeln, die ein plötzliches Auslösen des Airbags zur Folge haben konnten.

Auch der zweite Rang geht an die Autoindustrie in Deutschland. Volkswagen verzeichnete im abgelaufenen Jahr 25 Rückrufe für 18 Modelle, darunter auch für den Bestseller VW Polo mit seinen Gurtenproblemen auf den Rücksitzen. Auf Rang drei folgt dann der erste Franzose: Peugeot musste seine Modelle 208, 3008, 308, 5008 und 508 wegen Überhitzungs- und somit Brandgefahr beim Motor nochmals ins Werk zurückbestellen; der Peugeot 2008 dagegen bereitete seinem Mutterhaus wegen eines fehlerhaften Bauteils im Dieselmotor Sorgen.

Hybrid-Probleme bei Toyota

Auf den weiteren Rängen der am häufigsten zurückgerufenen Automarken in Europa stehen Opel (Rang 4, Astra und Zafira verloren Öl), Citroën (Rang 5, Softwareprobleme unter anderem beim DS4, C4 und C5), Mitsubishi (Rang 7, Probleme mit der Verriegelung und mit der Handbremse bei Outlander und ASX) und Ford (Rang 8, Überhitzungsgefahr beim EcoBoost-Motor). Erst auf Rang 10 folgt der andere deutsche Premium-Hersteller BMW. Dies, nachdem man im Jahr zuvor zumindest in den USA noch von allen Herstellern weltweit am meisten Autos zurückgerufen hatte.

Bemerkenswert auch das Auftauchen neuer Technologien in der Statistik. Toyota etwa belegt bei den Europa-Rückrufen 2018 den sechsten Platz. Hauptgrund: Probleme mit dem Hybrid-Motor in Prius und Auris. Auch Renault (Rang 9) schreibt einen Grossteil seiner Rückrufe dem Elektromodell Zoe zu. Allerdings sind dessen Probleme mit der Handbremse dann doch eher eine analoge Sache.

Letztlich mag 2018 ein Rückrufrekordjahr gewesen sein. Doch bis in die Sphären des Super-GAU ist es für die Hersteller zum Glück noch ein weiter Weg. 1999 musste Ford wegen fehlerhafter Tempomaten 15 Millionen Autos zurückrufen. Und bei der bisher grössten Rückrufaktion der Geschichte musste derselbe Hersteller 1980 sogar 21 Millionen Fahrzeuge überprüfen. Der Grund: Das Automatikgetriebe gab ganz allein den Parkmodus frei, was bei Gefälle dazu führte, dass sich die Wagen selbstständig machten und davonrollten.

(srt)



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