touristik aktuell | „Grüne“ Schiffe: Pflicht für Reedereien, Kür für Reisebüros

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Neue, umweltverträglichere Kreuzfahrtschiffe – für Reisebüros sind sie „noch kein Verkaufsargument, äußerstenfalls ein nettes Add-on“, sagt Frank Herbrechter, Inhaber des Schermbecker Reisebüros und Kreuzfahrt-Spezialist. 

Für Reedereien hingegen sind sie künftig ein „Must-have“: Denn ab 1. Januar 2020 gilt eine auf 0,5 Prozent gesenkte Schwefelobergrenze. Und bis 2050 soll die Schifffahrtsbranche den Ausstoß an Treibhausgasen um die Hälfte senken.

„Wir stehen vor einer unglaublichen Aufgabe“, sagte MSC-Manager Bud Darr, zuständig für den Bereich Maritime Policy and Government Affairs, im September auf einer Messe für maritime Wirtschaft in Hamburg. Wichtig sei, dass die Industrie jetzt anfange zu arbeiten, mahnte er zu Dringlichkeit.

Noch im selben Monat tagte MSC Cruises mit flotteneigenen Schiffsoffizieren und Umweltexperten. Das selbsterklärte Ziel dabei: die Umweltschutzmaßnahmen noch stärker voranzutreiben und „sogar besser zu sein, als es die Richtlinien vorgeben“, wie die Reederei verlauten ließ.

Gesetzliche Auflagen, politischer und öffentlicher Druck machen Nachhaltigkeit zum vordringlichen Thema für die Reedereien. Als einen Lichtblick sieht sogar der gegenüber der Kreuzfahrt kritisch eingestellte Naturschutzverein Nabu das neue Aida-Flaggschiff Nova, das als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt zu fast 100 Prozent mit Flüssig-Erdgas (LNG) betrieben werden „kann“. Wie es mit der praktischen Umsetzung aussieht, bleibt abzuwarten.

Reisebüros jedenfalls nutzen die umweltverträglichere Antriebstechnologie der Aida Nova zur Neukundenansprache. Mit dem Neubau könne man „Erstfahrer überzeugen, die, wenn sie schon eine Kreuzfahrt unternehmen, doch zumindest so gut es geht die Umwelt schonen wollen“, sagt Ute Albert, Inhaberin des Reisebüros Walther in Bad Wildungen. „Das ist ein Punkt, der schon heute wichtig ist und in Zukunft noch wichtiger wird“, ist sie überzeugt.

„Nachhaltigkeit ist etwas, worauf Nachfolgegenerationen achten“, meint Guido Laukamp, Chef von Nicko Cruises. „Für Leute, die eine Neigung dazu haben, ist es ein zusätzliches Buchungsargument.“

Laut „Trendmonitor Deutschland“ des Marktforschungsinstituts Nordlight Research vom Sommer dieses Jahres halten 40 Prozent von rund 1.000 Befragten Kreuzfahrten in stärkerem Maße für umweltschädlich.



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