Neue Perspektiven für Fußballfans | WIRED Germany

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Mittendrin – oder nur dabei? Stadionluft schnuppern – oder die Partie zu Hause vor dem TV-Bildschirm oder am Radio verfolgen? Für Fußballbegeisterte war die Sache jahrzehntelang klar: Kantersieg fürs Live-Erlebnis im Stadion. Der Blick aufs Spielfeld, die Atmosphäre auf den Rängen, mit den anderen Fans lautstark das eigene Team anfeuern – kein Vergleich zur heimischen Couch!

Doch ganz so deutlich dürfte das Ergebnis heute nicht mehr ausfallen. Denn die Live-Übertragung hat – neuen Technologien sei Dank – mittlerweile ordentlich aufgeholt. Längst ist sie nicht mehr nur hübsches Beiwerk, sondern eine einzigartige und außergewöhnliche Möglichkeit, Fußball in all seinen Facetten zu erleben.

„Eine gute Live-Übertragung braucht beeindruckende Bilder. Bilder, die man bei anderen Sport-Events oder Produktionen nicht sehen kann“, sagt Managing Director Albrecht Schmitt-Fleckenstein, dessen Unternehmen thinXpool TV für Audi die Übertragung des Audi Cups realisiert.

Das bringt uns wieder zurück zum Fan im Stadion: Schließlich hat dieser, verglichen mit dem Fernsehzuschauer, wiederum nicht die gleichen Möglichkeiten, auf Zeitlupen und Just-in-Time-Analysen zurückzugreifen oder die Reaktionen von Spielern, Fans sowie Trainern im Detail zu verfolgen.

Als Audi 2009 den Audi Cup ins Leben rief, setzte sich der Ingolstädter Premiumhersteller ein klares Ziel: das moderne Look-and-Feel und den eigenen Style der Marke auf den Fußball zu übertragen.

„Wir hatten jede Menge Ideen und entwickelten gemeinsam viele Ansätze, um wirklich revolutionäre Bilder zu generieren“, erinnert sich Albrecht Schmitt-Fleckenstein.

Für diese Bilder kamen insgesamt 20 Kameras, darunter zwei Highspeed-Kameras, mehrere Chip-Kameras und eine Spidercam, zum Einsatz. Rund 180 Mitarbeiter waren an der Produktion beteiligt, sogar einen eigenen Regisseur leistete man sich, der mit seinem Know-how das Beste aus dem Produktionsteam und dem Equipment herausholen sollte.

„Unser Regisseur war extrem engagiert, er stand während der gesamten Konzept-und Vorbereitungsphase in direktem Kontakt mit uns“, erklärt Schmitt-Fleckenstein.

Dank gestochen scharfer High-Definition-Bilder und glasklarem Sound fühlen sich die Fans zu Hause bereits richtig nah dran am Geschehen im Stadion. Doch Audi war das noch lange nicht nah genug.

„Sieht man die Meisterschaftsspiele oder Champions-League-Begegnungen durch eine 60 oder 70 Meter hohe Spidercam, dann hat man nicht viel davon. Deshalb war unsere Lösung eine dynamische Spidercam“, erläutert Schmitt-Fleckenstein.

Dynamisch bedeutet hier, dass die Kamera in der Lage ist, die Spieler von einer höheren Position aus anzufahren und sich tief hinter die ballführende Mannschaft zu positionieren – beispielsweise wenn ein Freistoß ausgeführt wird. Quasi eine Art dynamische on-ground Perspektive, aus der so gut wie kein Detail verborgen bleibt. Logisch, dass es dafür nicht nur eine gute Produktionsmannschaft braucht, sondern auch ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen zwischen den Verantwortlichen für die Übertragung, den Spielern und dem Verein.

Seit dem Startschuss des Audi Cups arbeitet das Unternehmen sukzessive an der Optimierung der TV-Übertragungen und entwickelt fortlaufend neue Ansätze. Neueste Vision der kreativen Produzenten ist eine Kamera, mit deren Hilfe die Zuschauer das Spiel aus der Perspektive des Schiedsrichters oder der Spieler erleben. „Mein absoluter Traum“, sagt Schmitt-Fleckenstein begeistert. „Bislang kann niemand das Spielgeschehen aus diesem Blickwinkel heraus sehen. Wenn also zum Beispiel Lewandowski aufs Tor zuläuft, weiß keiner, was dieser gerade sieht oder was um ihn herum passiert“, fügt er an.

Dies würde den Fans zu Hause völlig neue Einblicke ermöglichen – und ihnen dabei helfen, spielentscheidende Ereignisse besser nachvollziehen zu können. Warum hat der Schiedsrichter diese Entscheidung getroffen? Hätte der betreffende Spieler nicht besser abspielen sollen? War dieser Ball wirklich so leicht zu halten, wie es auf den ersten Blick aussah?

„All diese Möglichkeiten zu haben – das wäre fantastisch. Natürlich ist das noch Zukunftsmusik, schwer zu sagen, ob es sich umsetzen lässt, aber wir arbeiten weiter daran“, betont Schmitt-Fleckenstein.

Es sind eben jener Enthusiasmus und jene Bereitschaft, immer wieder Neues zu wagen, die Live-Übertragungen zu dem gemacht haben, was sie heute sind: weit mehr als bloße Behelfskonstrukte. Die Fans können die Spiele ihrer Mannschaft komfortabel von zu Hause aus genießen – oder sich abends irgendwo in der Stadt mit Freunden zum Fußballschauen verabreden. Ganz gleich, vor welchem TV-Bildschirm sie dabei landen: Sie werden ganz sicher einzigartige, außerordentliche und begeisternde Bilder zu sehen bekommen.



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