20 Minuten – «Ein Kunde hat mich mit der Faust bedroht»

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Selbstbedienungskassen sorgen laut einer Unia-Umfrage beim Verkaufspersonal für Frust. In manchen Fällen ist das Verkaufspersonal mit handgreiflichen Kunden konfrontiert. Eine Verkaufsangestellte berichtet:

Umfrage

Hat das Self-Check-out Sie auch schon mal wütend gemacht?

Frau Müller*, sie sind Kassiererin und müssen auch am Self-Check-out Kunden behilflich sein. Was stört Sie an diesem Job?

Es ist ein riesiger Stress. Wir müssen ständig hin und her springen. Es bleibt kaum Zeit, um etwas zu trinken oder aufs WC zu gehen. Ausserdem sind die Kunden an den Self-Check-outs viel gestresster als an den regulären Kassen.

Was hat das für Auswirkungen?

Die Kundschaft redet kaum mehr mit einem, schauen einen nicht an. Manche sagen nicht einmal mehr Grüezi. Das empfinde ich als belastend. Und wenn man aggressive Kunden hat, fühlt man sich bei den Self-Check-out-Kassen weniger geschützt als bei den herkömmlichen. Die Kunden können einem viel näher kommen, als wenn man hinter der Kasse sitzt.

Was war das Schlimmste, was Sie erlebt haben?

Ein älterer Kunde hat mich grundlos angeschrien und mit der Faust bedroht. Er wäre auf mich losgegangen, wäre nicht meine Chefin eingeschritten. Er hat auch gesagt: Sie sind Kassiererin, sie sind nichts wert.

Wieso wechseln Sie den Job nicht einfach?

Ich bin schon über 55 Jahre alt. Ich glaube nicht, dass ich eine andere Anstellung finden würde. Und der Job macht mir ja Spass, solange ich noch ab und zu hinter der Kasse sitzen kann.

Was wünschen Sie sich von ihrem Arbeitgeber?

Ich würde mir wünschen, dass Kundenkontakt mehr Wert zukommt und der Job der Kassiererin nicht einfach verschwindet. Ich wünsche mir auch Schulungen, um besser mit aggressiven Kunden umgehen zu können.

*Name von der Redaktion geändert

(vay)



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