20 Minuten – Das müssen Sie über den Börsenabsturz wissen

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Die US-Börsen haben am Mittwoch den schlimmsten Handelstag seit acht Monaten erlebt. Was ist passiert?

Die Börse in New York erlebte am Mittwoch den schwärzesten Tag im laufenden Jahr. Und das nur kurz nach dem Rekordhoch von letzter Woche. Der Dow-Jones-Index, der die grössten 30 US-Unternehmen umfasst, stürzte gestern um über 3 Prozent ab. Noch schlimmer traf es den Nasdaq: Der Index der Technologiebörse verlor sogar über 4 Prozent. Zu den grössten Verlieren gehörte Netflix. Die Titel des Unternehmens tauchten 8,4 Prozent.

Wo liegen die Gründe für den Absturz?

Auslöser für den Absturz sind unter anderem Sorgen um das künftige Wirtschaftswachstum. Und auch der Handelsstreit zwischen den USA und China dauert an. Zudem gibt es neue Spekulationen über aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Für Nervosität sorgte auch US-Präsident Trump mit seinen Kommentaren zur Fed und zur Börsenentwicklung.

Was hat Trump zum Börsenabsturz genau gesagt?

Trump wurde über die Entwicklung an den Börsen informiert. Ein hochrangiger Regierungsvertreter habe das Geschehen als «Kurskorrektur» beschrieben, die «wahrscheinlich gesund» sei, berichtet CNBC. Dennoch hat Trump rasch einen Schuldigen für den Crash gefunden: die US-Notenbank Fed. «Ich denke, dass die Fed einen Fehler macht», so Trump auf eine Journalistenfrage. Und weiter: «Ich glaube die Fed ist verrückt geworden.» Trump hat die Fed-Geldpolitik bereits mehrmals kritisiert, unter anderem im September, als die Notenbank zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins anhob.

Darf ein US-Präsident seine Notenbank kritisieren?

«Donald Trump überschreitet rote Linien. Zwar haben Politiker auch schon in der Vergangenheit Notenbanken kritisiert, aber nie in dieser Art», sagt Chefökonom Thomas Gitzel von VP Bank Group zu 20 Minuten. «Für einen Präsidenten ist es äusserst ungewöhnlich, die Zentralbank so offen zu kritisieren», schreibt der Analyst Milan Cutkovic von Axitrader in einem Marktkommentar. Klar sei: Die US-Konjunktur boome, folglich sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Fed Signale für weitere Zinserhöhungen liefere.

Was bezweckt Trump mit seinen Aussagen?

Trumps Angst ist, die US-Notenbank könnte mit höheren Zinsen das für seine Politik so wichtige Wirtschaftswachstum abwürgen. «Trump bezweckt mit seiner Kritik auch, dass sich der Dollar abschwächt, was der US-Exportwirtschaft zu Rückenwind verhelfen würde», sagt Gitzel. Mit Blick auf den heutigen Tag habe der Präsident das erreicht. Anders als die Marktteilnehmer dürfte sich die Fed von Trumps Aussagen aber nicht beeinflussen lassen.

Ist der Einbruch in den USA der Anfang einer grossen Kurskorrektur?

Die USA erlebten eines der längsten Aktienrallys in der Geschichte. Vor allem die Tech-Werte verbuchten massive Kursanstiege. «Da war teilweise viel Fantasie drin. Hier gibt es jetzt eine Korrektur», so Gitzel. Dass diese jetzt so plötzlich geschieht, sei nicht zu erwarten gewesen, dürfe aber nicht erschrecken. «Es ist eine Marktbereinigung, die gut und sinnvoll ist. Wir sehen vor allem Gewinnmitnahmen und keine generelle Marktpanik», sagt Gitzel. Der Dollar und der Franken seien als sogenannte sichere Häfen nicht stärker gefragt.

Wie soll ich mich als Privatanleger verhalten?

«In solchen Phasen ist es wichtig, dass man Ruhe bewahrt, zumal es sich nicht um eine generelle Panik handelt», sagt Gitzel. Besonders wichtig in dieser späten Phase des Konjunkturzyklus sei, dass man breit aufgestellt sei beziehungsweise das Vermögen diversifiziert habe. Und: Es gelte, Klumpenrisiken zu eliminieren.

Wie geht es an der Schweizer Börse weiter?

Der Schweizer Leitindex SMI stand am Donnerstagmittag knapp 2 Prozent im Minus. Damit fielen die Verluste zuerst geringer aus als am gestrigen Tag in den USA beziehungsweise am frühen Morgen in Asien. «Das liegt daran, dass die Anleger über Nacht einen etwas nüchterneren Blick auf den Einbruch in den USA gewonnen haben», so Gitzel. Der Chefökonom der VP-Bank geht davon aus, dass sich der Abwärtstrend in den nächsten Tagen abschwächen wird. Am Ende des Börstentages schloss der SMI mit 2,85 Prozent im Minus. Am meisten an Wert verloren die Titel von Zurich Financial Services und Roche mit je 3,8 Prozent.

(sas)



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