Gewaltfantasien bei Chemnitz-Konzert

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Zum Konzert gegen Hass und rechte Gewalt kamen über 60.000 nach Chemnitz. Doch dann grölten die angeblich friedliebenden Konzertbesucher Gewaltfantasien.

Große Veränderungen zeigen sich oft im Kleinen. Wer am Montag bei der Begrüßung der Konzertbesucher in Chemnitz und beim Aufruf zur Schweigeminute richtig hingehört hat, der dürfte, nein, der MUSS über folgende Sätze gestolpert sein:

„Wir alle wollen leben ohne Angst und ohne Hass. Und deshalb lasst uns auch an die Menschen erinnern, die Opfer von rechter Gewalt und Hass in diesem Land geworden sind. Ich bitte Euch nun, eine Minute zu schweigen für Daniel Hillig.“

Daniel Hillig war vor 14 Tagen auf dem Chemnitzer Stadtfest mit mehreren Messerstichen getötet worden. Kurz nach der Bluttat am 26. August nahm die Polizei einen 22 Jahren alten und einen 23 Jahre alten Mann fest. Nach Aussagen der Sicherheitsbehörden soll es sich bei den Tatverdächtigen um einen Syrer und einen Iraker handeln. Will heißen: Daniel Hillig ist NICHT Opfer rechter Gewalt geworden, sondern mutmaßlich von zwei im Zuge der Massenmigration nach Deutschland eingereisten Ausländern getötet worden.

Abseitige Assoziationen

Gleichwohl wird sein Tod von den Veranstaltern des Konzerts in einem Atemzug mit den Opfern von Hass und rechter Gewalt genannt. Zwar behauptet die Moderatorin nicht, Daniel Hillig sei von rechten Gewalttätern getötet worden, aber kontextuell fügte sie seinen Tod unmittelbar in die Vorstellung von Hass und rechter Gewalt in Ostdeutschland ein.

Es wäre zu banal, ihr hier eine Absicht zu unterstellen. Die Sache geht tiefer. Vielmehr dürfte diese Assoziation jener Vorstellungswelt entsprungen sein, die nun schon über Jahre hinweg in bemerkenswerter Eintracht von den Medien und der Politik geschaffen wurde: Wenn Hass und Gewaltbereitschaft politisch verortet werden, geschieht dies immer rechts. Das Gute, Friedliebende und Ausgleichende ist links.

In dieser Vorstellungswelt, die durch beständige mediale Reproduktion am Leben erhalten wird, lebt ein Großteil der Bevölkerung. Dieser Teil merkt nicht einmal, wie ihm das Bewusstsein für die offensichtlichen Widersprüche in seiner Umwelt schwindet. So blieb in der Debatte über die Ereignisse in Chemnitz völlig unbeachtet, dass die über 60.000 Konzertbesucher ausgelassen perverse Lieder über Gewalttaten mitgrölten.

Psychopathologischer Befund

Wenn Überzeugungen und Werte eines Menschen in diametralem Gegensatz zu seinem Handeln stehen, spricht die Psychologie von einer kognitiven Dissonanz. Demnach ist es wohl eine besonders krasse Form kognitiver Dissonanz, wenn Tausende Konzertbesucher, die eine Botschaft gegen Hass, Hetze und Gewalt aussenden wollen, zugleich leidenschaftlich und textsicher die bluttriefenden Lieder einer Band namens „K.I.Z“ absingen. In einem dieser Songs beschreiben die vom Veranstalter engagierten Künstler, wie sie Frauen vergewaltigen, Schwangeren in den Bauch treten und die „Fehlgeburt fressen“, Journalisten das „Messer in die Fresse“ rammen und die „Missgeburt vom Jugendamt“ sich „eine Kugel fängt“.

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass in diesem Land etwas gehörig schiefläuft. Eine von Ausländern begangene schreckliche Bluttat wird in den Kontext rechter Gewalt gestellt, angeblich friedliebende Konzertbesucher grölen Gewaltfantasien. Genau genommen, zeigen die Ereignisse nach der Bluttat an Daniel Hillig das psychopathologische Krankheitsbild einer Gesellschaft, die in weiten Teilen das Bewusstsein für das eigene Handeln und also den Bezug zur Realität sowie die Fähigkeit zur Vernunft verloren hat.

Wer den zitierten Liedtext in Gänze lesen möchte:

Ein Affe und ein Pferd
K.I.Z
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich ei’n Affen und ein Pferd
Ich mach Mousse aus deiner Fresse
Boom verrecke
Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern
Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen
Gee Futuristic ich krieg Durchfall von die Bässe
Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse
Bullen hör’n mein Handy ab (spricht er jetzt von Koks)
Ich habe fünfzig Wörter für Schnee, wie Eskimos
Trete deiner Frau in den Bauch, fresse die Fehlgeburt
Für meine Taten werd ich wiedergebor’n als Regenwurm
Sei mein Gast, nimm ein Glas von mei’m Urin und entspann dich
Zwei Huren in jedem Arm mit Trisomie einundzwanzig
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich reite durch die Stadt mit mei’m Affen an der Leine
Hab ‘ne Kiste voller Gold und mach es regnen auf euch Schweine
Ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiss ich sie mit Scheine
Macht sie sich dann nackt, dann beschmeiss ich sie mit Steine
Ich schwänz die Schule, weil die Straße meine Mami war
Bitch ich bezahl Urlaub nach Taka-Tuka-Land und Zanzibar
Wenn wir wieder da sind, Vierer mit Tommi und Annika
Vom Speed sieht uns’re Pisse, mittlerweile aus wie Sangria
Eva Herman sieht mich, denkt sich, was’n Deutscher
Und ich gebe ihr von hinten, wie ein Staffelläufer
Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus
Nich alles was man oben reinsteckt kommt unten wieder raus
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich rasiere mein Äffchen und lass es anschaffen
Tret so lange auf dein Kopf bis vier und drei acht machen
Die Missgeburt vom Jugendamt wird sich eine Kugel fangen
Meine Eltern sind seit neun Jahren im Urlaub, Mann
Durch meine Nasenlöcher seh ich mein Hirn
Und führe Selbstgespräche um den BND zu verwirr’n
Wir sind Taka-Tuka Ultras, scheißen auf Disneyland
Ich trag die Nike Shox mit eingenähter Kinderhand
In der Schule hatte ich eine eins im Tiere quäl’n
Nach meinem Uppercut kannst du dein Arsch ohne Spiegel seh’n
Ich hoff, dass ihr bald alle abhaut in die Staaten
Zum Geburtstag wünsche ich mir, dass ihr aufhört zu atmen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Songwriter: Gerrit Wessendorf / Kevin Thomas / Maxim Druener / Nico Seyfrid / Tarek Ebene
Songtext von Ein Affe und ein Pferd © Budde Music Publishing GmbH

 



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