20 Minuten – Das sind die Probleme der Billig-Airlines

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Am Freitag und Samstag bleiben während 24 Stunden viele Flugzeuge von Ryanair am Boden. Es ist der bisher grösste Streik in der Geschichte der irischen Fluggesellschaft.

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Marktführer Ryanair ist nicht die einzige Billig-Airline, die mit Problemen kämpft. Vor einem Jahr ging Air Berlin in Konkurs und beim Konkurrenten Easyjet häufen sich Kunden-Reklamationen.

Der Hauptgrund für die Probleme der Airlines ist gleichzeitig ihr grösster Trumpf: die tiefen Ticketpreise. Wie der Name schon sagt, ist das Geschäftsmodell von Billig-Airlines, möglichst niedrige Flugpreise anzubieten. Um das zu erreichen, muss überall im Unternehmen gespart werden, was zu folgenden Problemen führt:

• Unzufriedene Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter der Airlines sind die Auswirkungen der Sparmassnahmen gravierend, denn die Personalkosten eines Unternehmens sind im Normalfall einer der grössten Kostenfaktoren. Um diese zu drücken, ist es bei den Billigairlines üblich, dass die Piloten nicht fest angestellt sind. Das hat zur Folge, dass sie nicht bezahlt werden, wenn sie krank sind. Zudem müssen sie ihre Sozialabgaben aus der eigenen Tasche bezahlen, und das von einem Lohn, der im Vergleich zu Berufskollegen traditioneller Airlines klein ist.

Bei Ryanair ist die Lohn-Situation der Piloten besonders brisant. So verdient ein Co-Pilot laut der «Zeit» bei Ryanair umgerechnet gegen 29’000 Franken brutto im Jahr, was etwa 2400 Franken im Monat entspricht. Bei der Lufthansa würde er laut «Stern» für eine ähnliche Position mehr als das Doppelte verdienen.

• Zu wenige Piloten

Laut einem «Zeit»-Artikel gehen Ryanair die Piloten aus. Dies liege nicht daran, dass es zu wenige Piloten auf dem Markt hätte, sondern an den im Vergleich zur Konkurrenz schlechten Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen kämpft mit einer hohen Personalfluktuation und ist weiter auf Expansionskurs. Dadurch muss das Unternehmen nicht nur offene Stellen besetzen, sondern auch neu geschaffene. Darum rekrutiere das Unternehmen mittlerweile ausserhalb von Europa.

• Unzufriedene Passagiere

Passagiere spüren den Spardrill der Billigairlines etwa an der beschränkten Beinfreiheit im Flieger sowie daran, dass an Bord für Essen und Trinken bezahlt werden muss und dass streng kontrolliert wird, ob das mitgebrachte Handgepäck nicht zu gross ist. Durch die vermehrten Streiks verlieren sie das Vertrauen in die Fluggesellschaften und möglicherweise die Lust, noch einmal bei ihnen zu buchen.

Laut William Agius, Aviatik-Experte der ZHAW, wissen die meisten Passagiere aber, worauf sie sich einlassen, wenn sie so günstige Flugtickets kaufen: «Reisende haben sich daran gewöhnt, dass es zu Problemen kommen kann, wenn sie bei einer Billig-Airline buchen.»

• Knapper Flugplan

Um Kosten zu sparen, sollen die Maschinen der Billigfluglinien so viel Zeit wie möglich in der Luft verbringen. Daher werden Flüge teilweise im Halbstundentakt eingeplant. Da der Luftraum in Europa gerade im Sommer sehr gut ausgelastet ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen, was wiederum bei den Fluggästen und dem Personal für Unzufriedenheit sorgt.

• Rechtliche Schwierigkeiten

Gegen Billigairlines wird immer wieder wegen des Verdachts ermittelt, absichtlich scheinselbstständige Piloten anzustellen. Zurzeit ermittelt zum Beispiel laut der «Süddeutscher Zeitung» die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen dieses Verdachts gegen vier Ryanair-Manager.

(vay)



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