Tausende Tweets: So sieht Rassismus in Deutschland aus

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Der Austritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft hat eine Debatte über Rassismus ins Rollen gebracht. Unter dem Hashtag #MeTwo teilen daraufhin nun tausende in Deutschland lebende Menschen mit Migrationshintergrund ihre eigenen Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Viele dieser Berichte verdeutlichen, welch erschütternd rassistische Vorurteile nach wie vor verbreitet sind – und leider decken sie sich auch mit meinen Beobachtungen.

Hinter dem Hashtag #MeTwo steckt der kurdisch-alevitisch stämmige Aktivist und Autor Ali Can. Als Reaktion auf die Diskussionen um Mesut Özil hat er nun eine MeToo-Debatte für Menschen mit Migrationshintergrund ins Leben gerufen. #MeTwo soll verdeutlichen, dass Menschen mehr als nur eine nationale Identität haben können. Dass ein Mensch sich sowohl seinem Geburtsland oder der Heimat der Eltern als auch Deutschland verbunden fühlt, solle nicht länger als Widerspruch aufgefasst werden.

Weil auch Ali in seinem Leben mehrfach rassistisch angefeindet wurde, fordert er andere Menschen mit Migrationshintergrund nun dazu auf, ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus in Deutschland zu teilen.

Auch anhand dieser drei Fotos wird deutlich, wie aktuell Rassismus heute noch ist.

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Bewertet anhand der Hautfarbe

Nur wenige Tage nach Alis Aufruf haben bereits Tausende Twitter-User ihre Erlebnisse geteilt. Viele der #MeTwo-Tweets verdeutlichen, dass Menschen in Deutschland noch immer wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, wie etwa mit diesem vermeintlichen Kompliment:

Leider handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall. Dieser Tweet erinnerte mich an ein Gespräch eines deutschen Ehepaares, das ich vor zwei Jahren in einer Berliner U-Bahn verfolgt habe und ebenfalls offenbart, wie Menschen anhand der Dunkelheit ihrer Hautfarbe bewertet werden:

Die #MeTwo-Tweets zeigen zudem, dass auch Kinder schon Rassismus erfahren. In diesem Beispiel sind aber wie so häufig die Eltern diejenigen, die ihrem Kind ein diskriminierendes Weltbild anerziehen. Wie man es auch anders machen kann, zeigt die Berliner Organisation GoVolunteer mit ihrem Hautfarben-Buntstifte-Set.

Dass Rassismus in allen Schichten vorkommt, beweist diese traurige Erfahrung eines ehemaligen Gymnasiasten:

Wie Diskriminierung Integration verhindert

In der aktuellen Debatte um Mesut Özil geht es neben rassistischen Ausfällen auch um die Frage, wer die Verantwortung für eine gescheiterte Integration trägt. Sind es Deutsche mit rassistischen Vorurteilen oder Migranten, die sich nicht genügend anpassen? Auch wenn sich diese Frage nicht eindeutig beantworten lässt, zeigt dieser Tweet, wie Menschen mit Migrationshintergrund daran gehindert werden, sich zu integrieren:

Eigentlich sollte die Schule ja ein Ort sein, wo Kinder unabhängig von ihrer Herkunft bewertet werden und lediglich die Leistung zählt. Leider scheint es in Deutschland einige Pädagogen zu geben, die ziemlich unprofessionell sind:

Menschen mit Migrationshintergrund werden jedoch nicht nur aufgrund von Äußerlichkeiten diskriminiert, sondern häufig auch schon allein wegen ihres Namens. Nicht nur #MeTwo-Initiator Ali hat dies schon bei der Wohnungssuche erlebt:

Während sich Ali auf Twitter über die große Resonanz freut, ist selbst er erschüttert darüber, wie viele rassistische Vorfälle in Deutschland tagtäglich passieren:

Im Gegensatz zur internationalen #MeToo-Debatte, geht es bei #MeTwo um die Erfahrungen von Menschen in Deutschland. Egal, welche Schlüsse man nun daraus für die Diskussion um Mesut Özils Austritt aus der Nationalmannschaft zieht, eins machen all diese Tweets deutlich: Es lässt sich nicht leugnen, dass Menschen mit Migrationshintergrund Rassismus in Deutschland erfahren. Haben dich diese Tweets überrascht, oder hast du selbst schon Ähnliches erlebt? Teile deine Geschichte mit uns in den Kommentaren!





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