20 Minuten – Warum gibts im Flugzeug keine Fallschirme?

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2,8 Millionen Passagiere hat der Flughafen Zürich im Juni abgefertigt. Das sind 6,1 Prozent mehr als vergangenes Jahr, wie die Flughafen Zürich AG mitteilt. Im Schnitt waren damit pro Flug rund 131 Passagiere unterwegs.

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Manch einer der Reisenden dürfte sich zu Beginn der Sommerferien gängige Fragen gestellt haben – etwa warum es keinen Fallschirm an Bord hat, wieso es immer noch leuchtende Nichtraucher-Zeichen braucht oder ob ein Spuckbeutel aus Papier überhaupt was taugt. William Agius, stellvertretender Leiter des Zentrums für Aviatik der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), beantwortet Fragen zu den Kuriositäten rund ums Fliegen.

Warum gibts Schwimmwesten, aber keinen Fallschirm?

Man würde meinen, ein Fallschirm wäre im Flugzeug-Notfall ein besseres Rettungsmittel als eine Schwimmweste. Dem ist aber nicht so, erklärt Agius. Auf über 10’000 Metern Flughöhe herrsche eine Temperatur von Minus 55 Grad und extrem dünne Luft. Die wenigen Sekunden, in denen man noch bei Bewusstsein sei, würden nicht einmal ausreichen, um den Fallschirm überhaupt anzuziehen. «Ein Fallschirm wäre nur unnötiges Gewicht», so der Experte. Die Schwimmweste hingegen biete Nichtschwimmern bei einer Wasserlandung eine Überlebenschance.

Wieso hat der Kopfhörer-Anschluss zwei Buchsen?

Viele Airlines bieten ihren Passagieren Kopfhörer an, die am Ende wieder eingesammelt werden. Die mehrpoligen Stecker wurden laut Agius entwickelt, damit Passagiere weniger in Versuchung kommen, diese Kopfhörer mitgehen zu lassen. Schliesslich könnten sie sie nicht in der herkömmlichen Buchse am Handy benutzen. «Diese Stecker wurden mittlerweile zum Industrie-Standard», erklärt der Experte. Darum finden Reisende die Anschlüsse auch in Flugzeugen von Airlines, die keine Kopfhörer verteilen.

Warum ist der Spuckbeutel aus Papier?

Papier scheint nicht das ideale Material zu sein, um Flüssigkeiten aufzufangen. «In einem Flugzeug muss alles möglichst leicht sein», sagt der Aviatik-Experte. Darum sei die Tüte aus Papier. «Sie bleibt aber schon dicht», versichert Agius. Innen sei das Papiersäckli mit Wachs beschichtet. Diese Schicht enthalte zudem Chemikalien, die Erbrochenes zersetzen. Darum sei es auch keine gute Idee, das Säckli zur Aufbewahrung von Lebensmitteln zu verwenden. Die Stoffe in der Wachsschicht seien giftig.

Braucht es wirklich noch leuchtende Nichtraucher-Zeichen?

Erst in Flugzeugen, die in den letzten fünf Jahren gebaut wurden, sind die Nichtraucher-Zeichen teilweise verschwunden. «Die Flugzeugbauer ersetzen sie mit einem Zeichen fürs Handyverbot», so Agius. Für die Sicherheit des Flugbetriebs sei es irrelevant, ob LED-Signale die Passagiere während des ganzen Flugs darauf hinweisen, dass sie nicht rauchen dürfen. Der Kostendruck für die Airlines sei zu hoch, als dass sie deswegen das Flugzeug umbauen würden. Darum verschwinden die Symbole nur sehr langsam aus den Flugzeugen. Laut Agius ist der Kostendruck auch der Hauptgrund, warum es in vielen Flugzeugen noch einen in die WC-Tür eingebauten Aschenbecher gibt.

Wo schläft die Crew auf Langstreckenflügen?

«Zum Teil richten Airlines beispielsweise im Frachtraum Schlafplätze ein», so Agius. Bei Flugzeugen mit grossem Cockpit könnte die Besatzung auch dort übernachten. Besonders kostensparend sei es, einfach ein paar Sitze mit einem Vorhang abzutrennen, sodass die Crew sich dort ein Nickerchen gönnen kann. Das sei vor allem üblich bei Airlines, die mit denselben Flugzeugen sowohl lange als auch kürzere Strecken fliegen.

Wieso schmeckt das Essen so schlecht?

Der schlechte Ruf von Flugzeug-Verpflegung ist weit verbreitet. Einer der Gründe, warum das Essen in der Luft so komisch schmeckt, ist der Kabinendruck. Dieser beeinträchtige den Geschmackssinn der Passagiere. «Das Essen muss in der Regel viel stärker gewürzt werden», so Agius. Wenn Airlines besonders viel Wert auf ihre kulinarischen Angebote legen, würden sie die Menüs darum bei der Entwicklung in Unterdruckkammern kosten.

Warum bin ich im Flugzeug so durstig?

«Die Atemluft in der Passagierkabine wird in der Regel nur alle zwei Minuten komplett ausgewechselt», erklärt Agius. Die Luft kommt dabei von aussen. Auf über 10’000 Metern Flughöhe ist diese Luft allerdings wesentlich trockener als auf dem Boden. Sie künstlich anzufeuchten, wäre sehr teuer, weil die Flüssigkeit das Abfluggewicht des Flugzeugs erhöhen würde. Stattdessen dehydrieren Passagiere im Flugzeug besonders schnell und sollten möglichst viel Wasser trinken.

Wo rüttelt das Flugzeug am wenigsten?

«Möglichst nahe beim Schwerpunkt, würde ein Ingenieur sagen», so Agius. Das sei bei einem Flugzeug normalerweise zwischen den Flügeln. «Aber wenn es Turbulenzen gibt, schüttelt es das Flugzeug, egal wo man sitzt», gibt der Experte zu bedenken. Wer empfindlich aufs Fliegen reagiert, sollte laut Agius möglichst nicht ganz hinten sitzen. Gerade beim Start könnte es einem da je nach Flugzeug schnell mulmig werden.



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