20 Minuten – «Trump hat recht, wenn er den Handel unfair findet»

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Bei der Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China geht das eigentliche Ziel des US-Präsidenten fast vergessen: Donald Trump will mit den Strafzöllen Arbeitsplätze zurück in die USA holen. Die Zölle verteuern zum Beispiel das günstige chinesische Aluminium und geben der heimischen Produktion so eine Chance.

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«Das Ziel ist die Umleitung der Kaufkraftströmung auf heimische Güter», sagt Heiner Flassbeck zu 20 Minuten. Der frühere Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung betont, dass die US-Konsumenten deswegen auch teurere, aber in den USA hergestellte Produkte kaufen müssen. Dafür aber entstehen wieder heimische Arbeitsplätze.

«Strafzölle» nicht zutreffend

Das Wort «Strafzölle» ist laut Heiner Flassbeck nicht zutreffend: Trump wolle niemanden bestrafen, sondern das riesige langjährige Handelsdefizit der USA senken. Das sei völlig nachvollziehbar.

Im letzten Jahr exportierten die USA Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar nach China. China hingegen exportierte Güter in der Höhe von rund 500 Milliarden Dollar in die USA. Das weltweite Handelsdefizit der USA beträgt insgesamt über 800 Milliarden Dollar (siehe Box).

«Trump hat recht»

«Mit einem Defizit fliesst die Produkte-Nachfrage ins Ausland ab. So gehen Arbeitsplätze verloren.» Zu einem Freihandel gehörten aber keine Defizite oder Überschüsse, wie sie etwa die Schweiz hat. Ein solcher müsse ausgeglichen sein, was aber nicht der Fall sei. «Wenn Trump das als unfair bezeichnet, hat er recht», so der deutsche Ökonom.

Allerdings bezweifelt Flassbeck, dass Zölle die richtige Massnahme für die Reduktion des Handelsdefizits sind. Trump verfolge einen Mikroansatz, die Zölle seien nur Nadelstiche. Der Ökonom bringt daher den Weg über die US-Währung ins Spiel: «Eine tausendmal effizientere Massnahme wäre die Abwertung des Dollars um 20 Prozent.»

«Wechselkursänderungen haben mehr Auswirkungen»

Dass das nützt, zeigte die Schweizerische Nationalbank: Mit ihrem Euro-Mindestkurs hatte sie bis 2015 den Franken gegenüber der EU-Währung geschwächt und stützte damit die heimische Wirtschaft.

Das bedeutete einerseits eine Stütze für die Schweizer Exportindustrie. Andererseits verteuerte das auch importierte Waren aus dem Euroraum. Das verschafft heimischen Gütern wieder mehr Wettbewerbsvorteile. «Wechselkursänderungen haben viel mehr Auswirkungen als Zölle. Auch wenn die Spekulation mit Währungen nicht zum internationalen Handel gehören sollte», so Flassbeck.



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