20 Minuten – «Über Sex können Paare reden, über Geld nicht»

2



Herr Mary, warum ist Geld in der Partnerschaft Streitthema Nummer eins, wie Sie in Ihrem neuen Buch «Die Liebe und das liebe Geld» schreiben?

Weil Paaren meist die Offenheit dafür fehlt. Sie wissen auch gar nicht, wie sie darüber reden sollen, dabei ist genau das wichtig.

Umfrage

Reden Sie in Ihrer Partnerschaft offen über Geld?

Auch wenn man keine Familie gründen will, sollte man über das Geld sprechen?

Gerade Junge legen heute grossen Wert auf finanzielle Unabhängigkeit, aber sie wollen dieses Thema in einer Beziehung nicht ansprechen. Sie verfahren nach dem Motto: Jeder schaut für sich. Das aber wird etwa schwierig, wenn man zusammenziehen will.

Sollten wir am Anfang einer Beziehung so wie Alter oder Hobbys gleich das Finanzielle abfragen?

Das passt nicht zur romantischen Liebe, wenn man gleich abcheckt, wie es um die finanziellen Verhältnisse steht. Deshalb vermeiden Paare das in der Verliebtheit, und später verpassen sie den Zug.

Streiten Sie mit Ihrem Partner übers Geld? Wieso?

Wann soll es denn zum Thema werden?

Das kann schon beim ersten Date sein, wenn es zum Beispiel darum geht, wer das Essen oder die Drinks bezahlt. Zahlt sie, zahlt er, zahlen beide? Am besten ist es, darüber zu reden und das gemeinsam zu klären. Das legt die Basis für eine generelle Offenheit auch bei dem Thema, denn Geld ist in der Partnerschaft das letzte Tabu. Paare können inzwischen über Sex reden, aber nicht gut über Geld.

Ist es nicht besonders schwierig, wenn ein Partner weniger verdient als der andere?

Ein Ungleichgewicht ist kein Problem, wenn man klärt, wie man damit umgehen möchte. Dabei darf es nicht darum gehen, ein Gleichgewicht herstellen zu wollen.

Warum aber ist Geld ein so heisses Thema?

Weil es aus romantischer Sicht nicht zur Liebe passt. Viele meinen, wenn sie sich lieben, bräuchten sie nicht über Geld zu reden. Dabei zeigt sich bei Geldfragen schnell die Wahrheit über eine Beziehung.

Und die wäre?

Ob die Liebe vorwiegend eine leidenschaftliche, eine freundschaftliche oder partnerschaftliche Liebe ist. Jede dieser Beziehungsformen hat ihren besonderen Umgang mit Geld und die verschiedenen Geldarten einer Beziehung können auch nebeneinander bestehen: Das Liebesgeld wird dem anderen bedingungslos geschenkt. Mit Freundschaftsgeld dagegen kann ich den anderen gezielt unterstützen, etwa bei einer Reise. Und schliesslich gibt es noch das Partnergeld, das als Leistungsausgleich für gemeinsame Projekte wie etwa eine Familie dient und ausgehandelt werden muss.

Was heisst Leistungsausgleich?

Wenn ein Partner zu Hause bleibt oder weniger arbeitet, um sich um die Kinder zu kümmern, braucht es für seinen nicht materiellen Beitrag einen Ausgleich, und der kann durchaus materiell sein.

Löst das nicht eine Heirat?

Der Standard-Ehevertrag legt zwar eine Errungenschaftsbeteiligung fest, aber das klärt das Thema meist nicht ausreichend, wie sich dann in vielen Scheidungsprozessen zeigt.

Was ist besser als ein Ehevertrag?

Paar sollten einen Leistungsausgleich vereinbaren: Wenn sich ein Partner um die Familie kümmert und so auf Einkommen und Karriere verzichtet, kann er aushandeln, dass er dafür eine bestimmte Summe will. Ich hatte eine Frau in meiner Beratung, die für vier Erziehungsjahre 50’000 Euro verlangte. Die Summe ist aber individuell. Wichtig dabei ist, dass es zu einem Leistungsausgleich kommt, dass das, was jeder gibt, den gleichen Schweiss kostet. Über solche Abmachung sollten beide dann einen Vertrag abschliessen, am besten bei einem Notar.

Das hat aber nichts mehr mit Liebe zu tun.

Doch, mit partnerschaftlicher Liebe. Und diese Verständigung kann die Liebe sogar festigen, weil dann für beide gesorgt und das gemeinsame Projekt klar ist. Gerade wenn man sich liebt, muss man über Geld reden. Dabei ist es wichtig, die Beziehung vom Ende her zu denken. Nur so geht keiner Regelungen ein, die zu seinem Nachteil sind.

Kann Geld in Beziehungen auch als Machtmittel eingesetzt werden?

Macht besteht, wenn einer etwas hat, was der andere unbedingt haben will. Das kann Geld oder Liebe sein. Ich hatte eine Klientin, deren Partner damit drohte, sie aus dem Testament zu streichen. Sie sagte: ‹Was ist schon Geld?› Da war er machtlos. Und sie hatte Macht, weil er ihre Liebe wollte.



Quelle

Bemerkungen